Interview mit BM Frank Schroft, Vorsitzender des Zweckverbands „Interkommunaler Industrie- und Gewerbepark Zollernalb“

Im Gespräch mit Bürgermeister Frank Schroft, Verbandsvorsitzender
des IIGPs Zollernalb, sprechen wir über aktuelle Entwicklungen, Herausforderungen und Standortvorteile.
Ende 2025 wurde der Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan gefasst und dieser damit rechtskräftig. Was waren die größten Hürden bei der Planung?
Verbandsvorsitzender Frank Schroft: „Konversionsprojekte dieser Größenordnung erfordern vor allem Geduld, Ausdauer und eine enge Abstimmung aller am Verfahren Beteiligten. Die größte Herausforderung bestand darin, die Vielzahl an Verfahrensschritten im Bebauungsplanverfahren strukturiert und gleichzeitig zügig zu bewältigen. Dazu zählen umfangreiche Fachgutachten, die Beteiligung von Behörden und Öffentlichkeit sowie die sorgfältige Abwägung aller Belange einschließlich notwendiger Ausgleichsmaßnahmen.
All diese Anforderungen müssen rechtssicher ineinandergreifen – und genau darin lag die eigentliche Komplexität. Umso bemerkenswerter ist es, dass der Bebauungsplan für das rund 42 Hektar große Areal bereits in weniger als zwei Jahren zur Rechtskraft geführt werden konnte. Das ist Ausdruck einer sehr zielgerichteten und konstruktiven Zusammenarbeit aller am Verfahren Beteiligten.“
Nun beginnt der Rückbau. Was passiert jetzt auf dem Gelände?
Schroft: „Mit dem Beginn des Rückbaus überschreiten wir ganz bewusst die Schwelle vom Ehemaligen in die Zukunft. Die militärische Nutzung auf dem Geißbühl gehört nun endgültig der Vergangenheit an – zugleich entsteht hier Schritt für Schritt ein moderner interkommunaler Wirtschaftsstandort mit Strahlkraft für die gesamte Region.
Seit Februar läuft der großangelegte Rückbau der ehemaligen Bundeswehranlagen. Dabei geht es nicht allein um den klassischen Abbruch: Gebäude werden zunächst fachgerecht entkernt, Wertstoffe getrennt und recyclingfähige Materialien – wenn möglich direkt vor Ort – wiederverwertet. Dieses Vorgehen schont Ressourcen und entspricht unserem Anspruch an eine nachhaltige Flächenentwicklung.
Gleichzeitig prüfen wir gezielt, welche Bestandsgebäude sich für eine Nachnutzung eignen. Prägnante Gebäude bleiben erhalten und werden in das künftige Nutzungskonzept integriert.
Wichtig ist: Rückbau und Entwicklung greifen ineinander. Parallel zu den Abbrucharbeiten beginnen bereits die Erschließungsmaßnahmen, sodass die Grundlage für die künftige gewerbliche Nutzung ohne Zeitverlust geschaffen wird.“
Können Unternehmen auch schon bauen? Gibt es bereits Interessenten?
Schroft: „Mit dem Satzungsbeschluss zum Bebauungsplan am 19. Dezember 2025 haben wir die entscheidende Voraussetzung geschaffen: Rechtssicherheit. Der einstimmige Beschluss der Verbandsversammlung markiert einen zentralen Meilenstein in der Entwicklung des Interkommunalen Industrie- und Gewerbeparks Zollernalb.
Seitdem ist der Weg frei für konkrete Ansiedlungen. Unternehmen können nun auf einer verlässlichen planungsrechtlichen Grundlage bauen und ihre Projekte weiterentwickeln. Entsprechend intensivieren wir aktuell die Vermarktung der Grundstücke.
Die Nachfrage ist dabei erfreulich hoch: Bereits in den vergangenen Monaten haben zahlreiche Unternehmen ihr Interesse bekundet. Jetzt können wir in die Umsetzung gehen – und Interessenten haben die Möglichkeit, ihre Planungen zu konkretisieren und sich perspektivisch auf dem Geißbühl anzusiedeln.“
Welche Vorteile bietet der IIGP Betrieben, die sich dort ansiedeln?
Schroft: „Der Interkommunale Industrie- und Gewerbepark Zollernalb bietet Unternehmen in mehrfacher Hinsicht außergewöhnliche Standortvorteile. Besonders hervorzuheben ist die Größe und Zusammenhängigkeit der verfügbaren Flächen – ein Angebot, das in dieser Form in Baden-Württemberg kaum zu finden ist. Dadurch sind auch großflächige Industrieansiedlungen mit 24/7-Produktion möglich, ohne Nutzungskonflikte mit Wohnbebauung.
Gleichzeitig setzen wir bewusst auf Flexibilität: Die Grundstücke können modular zugeschnitten werden und eröffnen damit sowohl mittelständischen Betrieben als auch größeren Industrieunternehmen passgenaue Entwicklungsmöglichkeiten.
Ein wesentlicher Mehrwert liegt zudem im nachhaltigen Gesamtkonzept. Der IIGP ist als ressourceneffizientes Industriegebiet angelegt, das konsequent auf Kreislaufwirtschaft setzt. Ziel ist es, Stoffströme möglichst im Kreislauf zu halten – Abfälle, Abwärme oder Nebenprodukte eines Unternehmens können so zur Ressource für andere werden. Emissionen sollen insgesamt reduziert und Synergien zwischen den Betrieben aktiv gefördert werden.
Auch die Energieversorgung wird zukunftsorientiert gedacht: Der Ausbau erneuerbarer Energien, ein modernes Stromnetz sowie die Weiterentwicklung des bestehenden Wärmenetzes schaffen eine nachhaltige und verlässliche Grundlage für die Unternehmen vor Ort.
Ein weiterer Pluspunkt ist die interkommunale Stärke des Standorts. Neben Meßstetten sind auch die Großen Kreisstädte Albstadt und Balingen beteiligt sowie die Gemeinden Nusplingen und Obernheim. Diese breite Trägerschaft unterstreicht die regionale Bedeutung des Projekts.
Insgesamt entsteht hier auf einer ehemaligen Militärfläche ein moderner, nachhaltiger und zukunftsfähiger Wirtschaftsstandort, der neue Impulse für die gesamte Region setzt.“
Werden die Unternehmen bei der Ansiedlung begleitet oder beraten?
Schroft: „Selbstverständlich versteht sich der Zweckverband als verlässlicher Partner für alle ansiedlungsinteressierten Unternehmen. Wir begleiten die Betriebe von Beginn an und stehen während des gesamten Entwicklungsprozesses eng an ihrer Seite.
Das reicht von ersten Standortanfragen über Fragen zum Baurecht und zu Fördermöglichkeiten bis hin zur Unterstützung bei Genehmigungsverfahren und konkreten Bauanträgen. Unser Anspruch ist es, Verfahren transparent zu gestalten, Wege zu ebnen und die Ansiedlung so effizient wie möglich zu unterstützen.
Dabei setzen wir auf eine enge, lösungsorientierte Zusammenarbeit und feste Ansprechpartner, sodass Unternehmen jederzeit auf kurze Wege und klare Zuständigkeiten vertrauen können.“
Vielen Dank für das Interview und die interessanten Einblicke!